Europäische Sumpfschildkröte
Emys orbicularis orbicularis
© BJSmit / flickr.com

Lebensraum

Gewässer

Die Europäische Sumpfschildkröte ist sehr stark ans Wasser gebunden; sie überwintert sogar im Wasser. Auch die Paarung im April / Mai findet im Wasser statt. Haben die Weibchen einen passenden, trockenwarmen Eiablageort gefunden, der zum Teil über einen Kilometer entfernt liegen kann, legen sie 3-19 Eier ab. Die Umgebungstemperatur der Eier bestimmt, ob sich aus diesen mehr Weibchen oder mehr Männchen entwickeln. Die jungen Schildkröten schlüpfen im September, wonach sie zu einem geeigneten Gewässer wandern. Die Jungtiere ernähren sich hauptsächlich von Wirbellosen und die Erwachsenen fressen neben Wasserpflanzen Schnecken, Wasserinsekten oder selten Amphibien und deren Larven.

Erkennungsmerkmale 
Panzer rost-, oder olivbraun, mit gelben Tupfen oder Flecken; Kopf, Hals, Gliedmaßen und Schwanz dunkel mit gelben Flecken und Linien; Jungtiere mit Mittelkiel auf dem Rückenpanzer.
Lebensraum 
Stillgewässer mit reichlichem Wasserpflanzenbewuchs und schlammigem Untergrund. Weiher, Seen, stehende Kanäle, Flussdeltas oder Altarme.
Gefährdungsgrad
Schweiz: vom Aussterben bedroht
Ähnliche Arten
Europäische Sumpfschildkröten können mit den ausgesetzten, nordamerikanischen Rotwangen-Schmuckschildkröten verwechselt werden. Letztere sind größer und besitzen einen charakteristischen roten Fleck im Wangenbereich. Die Europäische Sumpfschildkröte weist, im Gegensatz zur Rotwangen-Schmuckschildkröte, gelbe Punkte im Hals- und Kopfbereich auf und hat einen dunkleren Rückenpanzer.
Maße 

Männchen bis 14 cm; Weibchen bis 16 cm.

Aktivitätszeit 
tagaktiv; März-Oktober
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Text wurde mit freundlicher Genehmigung vom Haupt Verlag aus dem Buch Stadtfauna übernommen. Cover StadtFauna-Buch
Die seltene einheimische Schildkröte

Die Sumpfschildkröte bevorzugt ruhige, pflanzenreiche Gewässer mit schlammigem Grund. Dabei kann es sich um Weiher, Seen oder auch Flussdeltas und Altarme handeln. Doch ebenso wichtig wie das Gewässer sind für die Schildkröten die Eiablagestellen. Dafür benötigt sie trockenwarme, hochwassersichere Standorte wie zum Beispiel Magerwiesen, Böschungen oder Sandhaufen, in der Nähe der Feuchtgebiete.

Beim Sonnenbaden

Den Winter verbringt die Europäische Sumpfschildkröte unter Wasser, mit Vorliebe im Schlamm. Im Sommer kann man die Schildkröten am besten beim Sonnenbaden beobachten; dazu schwimmen sie entweder an der Wasseroberfläche, oder sie legen sich auf einen schwimmenden Holzstrunk, auf einen Ast, der aus dem Wasser ragt, oder auf Wasserpflanzenhaufen, Dämmen oder Böschungen.

© Mkutzli / WikiCommons

Europäische Sumpfschildkröten bei der Paarung.

© CommonismNow / WikiCommons

Jungtier der Europäischen Sumpfschildkröte.

© Bizarria / WikiCommons

Europäische Sumpfschildkröten leben gerne in vegetationsreichen Gewässern.

Schutzstatus

Die Europäische Sumpfschildkröte ist in der Schweiz, Österreich und Deutschland vollständig geschützt. Sie darf weder gefangen, noch freigesetzt werden. Fremde Arten wie die Rotwangen-Schmuckschildkröte aus Nordamerika sollten in den heimischen Gewässern auf keinen Fall ausgesetzt werden, da sie die einheimischen Sumpfschildkröten konkurrieren können.

Leitart

Die Europäische Sumpfschildkröte reagiert sehr empfindlich auf Beeinträchtigungen in ihrem Lebensraum, deshalb kann man sie auch als „Leitart“ betrachten, deren Vorkommen viel über den Zustand der Feuchtgebiete aussagt. Auf der Roten Liste von 1982 wurde die Europäische Sumpfschildkröte als ausgestorben bezeichnet, bis fast zwanzig Jahre später einzelne Tiere wiederentdeckt wurden, die möglicherweise noch heimisch waren. Inzwischen haben genetische Studien aber gezeigt, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit keine ursprünglich einheimischen Tiere mehr in der Schweiz leben. Wichtig bei der Förderung der Sumpfschildkröte ist die Erhaltung des Lebensraums (Feuchtgebiete) und der Eiablageplätze. Eine besondere Wichtigkeit kommt der Vernetzung dieser zwei Lebensräume zu.

Gefahren 
  • Lebensraumzerstörung: Problematisch für die Sumpfschildkröte ist primär die schlechte Erreichbarkeit geeigneter Eiablageplätze (Distanz und Barrieren), sowie das Fehlen ausreichend großer Feuchtgebiete mit geeignetem Klima.

  • Konkurrenz: Das illegale Aussetzten von fremden Arten, wie zum Beispiel der Rotwangen-Schmuckschildkröte, erhöhen den Konkurrenzdruck auf die Europäischen Sumpfschildkröten.  

  • Fressfeinde: Wildschweine, Füchse, Dachse, Marder und diverse Vögel gehören zu den wichtigsten Fressfeinden der Sumpfschildkröte und deren Gelege. Im Wasser werden den Tieren bestimmte Fischarten gefährlich (Wels, Hecht).

Beobachten im Tierpark

Die Europäische Sumpfschildkröte kann im Tierpark Bern, Tierpark Arth-Goldau oder im Zoo Zürich beobachtet werden.

Weitere Informationen zur Europäischen Sumpfschildkröte und zu den anderen Reptilien sind auf der Webseite der Karch (Koordinationsstelle für Amphibien und Reptilien der Schweiz) zu finden.

News zum Wiederansiedlungsprojekt in der Schweiz finden Sie hier.

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