Europäische Sumpfschildkröte
Emys orbicularis orbicularis
© BJSmit / flickr.com

Lebensraum

Gewässer

Die Europ√§ische Sumpfschildkr√∂te ist sehr stark ans Wasser gebunden; sie √ľberwintert sogar im Wasser. Auch die Paarung im April / Mai bzw. im Herbst findet im Wasser statt. Haben die Weibchen einen passenden, trockenwarmen Eiablageort gefunden, der zum Teil √ľber einen Kilometer vom Wasser entfernt liegen kann, legen sie meist 12-16 (max. 23) Eier ab. Die Umgebungstemperatur der Eier bestimmt, ob sich aus diesen mehr Weibchen oder mehr M√§nnchen entwickeln. Liegt die Durchschnittstemperatur √ľber 28,5 Grad werden es √ľberwiegend Weibchen, f√§llt sie darunter kommen mehr M√§nnchen zur Welt. Die jungen Schildkr√∂ten schl√ľpfen in der Regel im September, ist es im Sommer f√ľr die Bebr√ľtung nicht warm genug √ľberwintern die Schl√ľpflinge in der Bruth√∂hle und wandern erst im Folgejahr zu einem geeigneten Gew√§sser. Die Jungtiere ern√§hren sich haupts√§chlich von Wirbellosen und die Erwachsenen fressen √ľberwiegend Schnecken, Wasserinsekten, Amphibien und deren Larven, daneben auch Wasserpflanzen.

Erkennungsmerkmale 
Panzer rost-, oder olivbraun, mit gelben Tupfen oder Flecken; Kopf, Hals, Gliedmaßen und Schwanz dunkel mit gelben Flecken und Linien.
Lebensraum 
Stillgewässer mit reichlichem Wasserpflanzenbewuchs. Teiche, Seen, stehende Kanäle, Flussdeltas oder Altarme.
Gefährdungsgrad
vom Aussterben bedroht
√Ąhnliche Arten
Europ√§ische Sumpfschildkr√∂ten k√∂nnen mit den ausgesetzten oder entkommenden Wasserschildkr√∂ten anderer L√§nder z.B. den nordamerikanischen Rotwangen-Schmuckschildkr√∂ten verwechselt werden. Letztere k√∂nnen gr√∂√üer werden und besitzen einen charakteristischen roten Fleck im Wangenbereich. Die Europ√§ische Sumpfschildkr√∂te weist, im Gegensatz zur Rotwangen-Schmuckschildkr√∂te, gelbe Punkte im Hals- und Kopfbereich auf und hat oft einen dunkleren R√ľckenpanzer.
Ma√üe 

Männchen bis 14 cm; Weibchen bis 16 cm.

Aktivit√§tszeit 
Tag- und dämmerungsaktiv; März-Oktober
Beobachtung eintragen
Text wurde mit freundlicher Genehmigung vom Haupt Verlag aus dem Buch Stadtfauna übernommen. Cover StadtFauna-Buch
Die seltene einheimische Schildkröte

Die Sumpfschildkr√∂te bevorzugt ruhige, pflanzenreiche Gew√§sser. Dabei kann es sich um Teiche, Seen oder auch Flussdeltas und Altarme handeln. Doch ebenso wichtig wie das Gew√§sser sind f√ľr die Schildkr√∂ten die Eiablagestellen. Daf√ľr ben√∂tigt sie trockenwarme, hochwassersichere Standorte wie zum Beispiel Magerwiesen, B√∂schungen oder vegetationsarme Sandh√ľgel, in der N√§he der Feuchtgebiete.

Beim Sonnenbaden

Den Winter verbringt die Europ√§ische Sumpfschildkr√∂te unter Wasser, mit Vorliebe an gesch√ľtzten Stellen wo das Wasser gen√ľgend Sauerstoff hat. Im Fr√ľhsommer kann man die Schildkr√∂ten am besten beim Sonnenbaden beobachten; da ben√∂tigen die Tiere am meisten Sonne und legen sich auf einen schwimmenden Holzstrunk, auf einen Ast, der aus dem Wasser ragt, oder auf Wasserpflanzenhaufen, D√§mmen oder B√∂schungen. Im Hochsommer wenn es sehr hei√ü ist schwimmen sie lieber an der Wasseroberfl√§che oder suchen halbschattige Stellen f√ľr das Abtrocknen des Panzers auf. Durch das Trocknen wird Pilz- und Algenwachstum am Panzer verhindert.

© Mkutzli / WikiCommons

Europäische Sumpfschildkröten bei der Paarung.

© CommonismNow / WikiCommons

Jungtier der Europäischen Sumpfschildkröte.

© Bizarria / WikiCommons

Europäische Sumpfschildkröten leben gerne in vegetationsreichen, warmen Gewässern.

Schutzstatus

Die Europ√§ische Sumpfschildkr√∂te ist in der Schweiz, √Ėsterreich und Deutschland vollst√§ndig gesch√ľtzt. Sie darf weder gefangen, noch freigesetzt werden. Fremde Arten wie die Rotwangen-Schmuckschildkr√∂te aus Nordamerika sollten in den heimischen Gew√§ssern auf keinen Fall ausgesetzt werden, da sie die einheimischen Sumpfschildkr√∂ten konkurrieren k√∂nnen.

Leitart

Die Europ√§ische Sumpfschildkr√∂te reagiert sehr empfindlich auf Beeintr√§chtigungen in ihrem Lebensraum, deshalb kann man sie auch als ‚ÄěLeitart‚Äú betrachten, deren Vorkommen viel √ľber den Zustand der Verbindung zwischen Feuchtgebiete n und ihrem Umfeld aussagt. Auf der Roten Liste von 1982 wurde die Europ√§ische Sumpfschildkr√∂te als ausgestorben bezeichnet, bis fast zwanzig Jahre sp√§ter einzelne Tiere wiederentdeckt wurden, die m√∂glicherweise noch heimisch waren. Inzwischen haben genetische Studien aber gezeigt, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit keine urspr√ľnglich einheimischen Tiere mehr in der Schweiz leben. Wichtig bei der F√∂rderung der Sumpfschildkr√∂te ist die Erhaltung des Lebensraums (Feuchtgebiete) und der Eiablagepl√§tze. Eine besondere Wichtigkeit kommt der Vernetzung dieser zwei Lebensr√§ume zu.

Gefahren 
  • Lebensraumzerst√∂rung: Problematisch f√ľr die Sumpfschildkr√∂te ist prim√§r die schlechte Erreichbarkeit geeigneter Eiablagepl√§tze (Barrieren und Verkehr), sowie das Fehlen ausreichend gro√üer Feuchtgebiete ohne Befischung (Gefahr Verletzung durch Angelk√∂der) und mit¬† geeigneter Wassertemperatur.

  • Konkurrenz: Das illegale Aussetzten von fremden Arten, wie zum Beispiel der Rotwangen-Schmuckschildkr√∂te, erh√∂hen den Konkurrenzdruck auf die Europ√§ischen Sumpfschildkr√∂ten. ¬†

  • Fressfeinde: In ihrem Bestand zunehmende Generalisten wie Wildschweine, F√ľchse, Dachse, Marder, Kr√§hen und Lachm√∂wen geh√∂ren zu den wichtigsten Fressfeinden der Sumpfschildkr√∂te und deren Gelege. Im Wasser werden den Jungtieren bestimmte Fischarten gef√§hrlich (Wels, Hecht).

Beobachten im Tierpark

Die Europ√§ische Sumpfschildkr√∂te kann im Tierpark Bern, Tierpark Arth-Goldau oder im Zoo Z√ľrich beobachtet werden.

Weitere Informationen zur Europ√§ischen Sumpfschildkr√∂te und zu den anderen Reptilien sind auf der Webseite der Karch (Koordinationsstelle f√ľr Amphibien und Reptilien der Schweiz) zu finden.

News zum Wiederansiedlungsprojekt in der Schweiz finden Sie hier.

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